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Stierkampf in Spanien - Toro-Olé!

Es gibt gleich zwei Traditionen, die exklusiv mit Andalusien verbunden sind. Beide zelebrieren das Leben im heißblütigen, erzkatholischen Süden von Spanien als Kampf.

Stierkampf in SpanienWährend sich der Flamenco mit rhythmischem Getrampel über die feurigen Qualen der Liebe hinwegsetzt, begegnet im Stierkampf der Mensch seinem größten Widersacher, der wilden Kraft der Natur. Auge in Auge mit dem stärksten Tier der Region, von Tausenden Zuschauern angefeuert, wird ein Kampf um Leben und Tod vorgeführt.
Die Tradition ist umstritten. Doch die Argumente der Befürworter sind nicht leicht von der Hand zu weisen. Sie sagen: Der Tod in der Arena ist weitaus würdevoller als Leben und Sterben in der Schlachtfabrik. Kampfstiere leben bis zu ihrem ersten und letzten Kampf frei und unbeschwert auf weitläufigen Koppeln.

Stierkampf in SpanienAuch die Regeln, die bestimmen, was einen guten Stierkampf , im Original: eine Corrida , ausmacht, werden vom Respekt gegenüber dem starken Tier bestimmt. In drei Runden wird dem „Toro“, dem Stier also, auf unterschiedliche Weise zu Leibe gerückt. Im ersten Teil studiert der „ Torero “, der Stierkämpfer, mit Hilfe seiner Assistenten, den „ Banderillos “ die Bewegungsabläufe des 500 kg schweren Tieres. Die großen grellfarbigen Tücher, die hier das Tier anlocken, sind zum Symbol des Stierkampfes geworden. Ein Stier, der sich mutig, kraftvoll und angriffslustig zeigt, wird vom Publikum ebenso mit Applaus belohnt, wie ein Stierkämpfer, der sich dem Tier gekonnt nähert, um ihm im letzten Moment auszuweichen. Stierkämpfer sind hochspezialisierte Sportler, die für ihre Kunst ähnlich hart trainieren müssen, wie Stabhochspringer.

Stierkampf in SpanienIm zweiten „ Tercio “ (Drittel) kommen die „ Picadores “ zum Zuge, die dem Stier ihre Lanzen in den Nacken stechen. Damit wird der Stier zwar geschwächt, aber zugleich noch gefährlicher. Seine Wunden zwingen ihn, den Kopf mit den tödlichen Hörnern gesenkt zu halten, und er ist hochgradig gereizt. Wieder feuert das Publikum einen kampfesmutigen Stier an, Picadores dagegen, die ihre Sache übertreiben und das Tier unnötig stark verwunden, erhalten Buhrufe und Pfiffe.

Stierkampf in SpanienDie Krönung einer Corrida , das letzte Drittel, wird häufig mit der bekannten Stierkampfmusik, dem Paso doble , eingeleitet. Jetzt beginnt der Todestanz zwischen „ Matador “ (dem Torero, der zum Töten auserwählt ist) und „Toro“. Ziel ist, das Todesschwert so durch den Nacken zu stoßen, dass es sich bis ins Herz bohrt, so dass das Tier möglichst sofort verendet. Gelingt dieser Stoß nur schlecht, und müssen Torero oder „Picadores“ mehrmals zusätzlich nachstechen, verlässt der Matador die Arena unter Pfiffen und Buhrufen durch eine Seitentür, gelingt ihm der kurze, schmerzarme Tod des Tieres, wird er unter Jubel durchs Haupttor hinausgetragen. Stiere, die mehreren „Todesstößen“ widerstehen, können sogar begnadigt werden, und führen fortan ein unbehelligtes Leben als Zuchtbullen, was allerdings recht selten vorkommt.
Pro Kampftag werden in einer Arena meistens sechs „Corridas“ ausgetragen.

Stierkampf in SpanienIn Andalusien besitzt fast jede größere Stadt eine Stierkampfarena , eine Plaza de Toros . Der Eintritt beginnt bei 2 Euro für die hintersten Plätze und Kämpfe mit unbekannten Matadoren. Er kann bis zu 120 Euro ansteigen, wenn man die berühmtesten Stierkämpfer aus der ersten Reihe sehen will. Beim Kartenkauf werden die Platzgruppen in Sonne, Schatten und Halbschatten eingeteilt, wobei im heißen Andalusien die Schattenplätze naturgemäß die besten sind.

Die größte Stierkampf-Arena Spaniens ist die Plaza de Toros Monumental de las Ventas in Madrid , wo bis zu 25.000 Zuschauern der tödlichen Begegnung zwischen „Torero“ und „Toro“ beiwohnen können. Hier aufzutreten ist das Lebensziel jedes jungen Toreros.

Stierkampf in SpanienDie historisch bedeutendste Arena ist dagegen die „Real Maestranza“ in Sevilla . Hier sollen bereits im 15. Jahrhundert die ersten Menschen angetreten sein, um einen Stier zu Fuß und nur mit der Lanze in der Hand zur Strecke zu bringen.

Die Arena selbst stammt aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts und bietet ihren Gästen auch ein Stierkampfmuseum zur Besichtigung.

Als die wohl schönste Stierkampfarena Andalusiens hat sich die Plaza de Toros von Ronda durchgesetzt. Selbst der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke, sonst eher zart besaitet, hat sich für den neoklassischen Tötungsschauplatz begeistert.

Der berühmteste Stierkampfdichter aller Zeiten war allerdings Ernest Hemingway . Dank des abenteuerlustigen Amerikaners ist der spanische Stierkampf in aller Welt bekannt geworden. Sein Roman „ Fiesta “ spielt während des berühmten Festivals in San Fermin . Hier werden alljährlich im Juli die Stiere von den Feldern zur Stadt getrieben. Vor den Augen zahlloser Festivalbesucher traben die gehörnten Tiere durch die Straßen des Ortes zur Arena.

Filmisch hat der spanische Regisseur Piedro Almodovar den Stierkampf als psychologisches Muster in seinem Werk „ Matador “ thematisiert. Und der berühmte spanische Franzose Pablo Picasso , der in Malaga geboren wurde, hat den Stierkampf in vielen seiner Werke gemalt.

Wollen Sie sich Ihr eigenes Bild von dieser jahrhundertealten Tradition machen?
Dann schauen Sie doch einmal in unsere Foto-Galerie.

Zum Weiterlesen empfehlen wir folgende Web-Sites:

Umfangreiche private Web-Site über Spanien und den Stierkampf.
Hier werden auch alle historischen Stierkampfarenen beschrieben.
http://www.webtec-rose.de

Homepage der berühmten Las Ventas Arena in Madrid.
http://www.las-ventas.com

Homepage der Real Maestranza de Sevilla
http://www.realmaestranza.com/

Intelligent-witzige Beschreibung eines Stierkampfes von heute.
http://schmoll-et-copains.typepad.com

Fiesta von E. Hemingway beim Online-Buchhändler Amazon
http://www.amazon.de/Fiesta-Ernest-Hemingway





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